Lebenswertes und lebensunwertes Leben  

 

 

Es gab Zeiten, in denen Menschen mit Behinderung ihr Leben durch menschenverachtende Ideologien verloren. Heute werden Menschen mit Behinderung – für die in der Gesellschaft gute Perspektiven geschaffen werden könnten – vor der Geburt umgebracht. Das Denken, das dieser Praxis zugrunde liegt, ist kein anderes als das längst überwunden geglaubte: Menschen werden in lebenswert und lebensunwert eingeteilt.

Diese Tendenz setzt sich in der Bioethik-Debatte fort. Der Druck auf Frauen, Kinder mit Behinderung abzutreiben, wächst. Medizinische Allmachtsfantasien vom glücklichen, leidensfreien, nicht behinderten Menschen sollen mit Nachdruck in unseren Köpfen verankert werden. Wer aber mit künstlichen Befruchtungsmethoden und Gentechnik behindertes Leben im Keim ersticken will, untergräbt die Menschenwürde und schafft ein Klima der Geringschätzung gegenüber von Menschen mit Behinderung. Wir Menschen mit Behinderungen werden auf unsere Behinderung reduziert, werden als Mangelwesen betrachtet. Dem muss ein Bild des Menschen mit Behinderung entgegengesetzt werden, das so wertvoll, sinnvoll, stark, schön, vielfältig und bunt ist wie das Bild von einem Menschen ohne Behinderung.

 

 

Süleyman Kurt

 

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